FC 1910 Mammolshain e.V. - Chronik

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Chronik

Die frühen Jahre

Vom Mutterland England bis in den Taunus - Die Gründung eines kleinen Vereins

Als 4 glückstrahlende Mammolshainer Burschen für fünf Mark einen runden Lederball, den sie schon lange in einem Schaufenster bei Lohmann in Kronberg mit sehnsüchtigen Blicken bewunderten, in ihren Händen hatten, da war die Geburtsstunden des Fußball-Club 1910 Mammolshain gekommen. Vergessen waren bei den Vier die Zeichenstunde, gleichgültig war ihnen die Strafe, die auf Schulschwänzen folgen musste. Mann würde für diesen neuen Sport, - das Fußballspielen - noch mehr Opfer bringen müssen. Das war der Sport, der so richtig zu der Mammolshainer Jugend von damals passte. Fußball - das verlangte den ganzen Kerl von den 14- bis 18-jährigen und was noch mehr wert war, man musste zusammenhalten, wenn man spielen und siegen wollte.

"Fußball" - wer kennt heute nicht dieses Spiel, wer kennt nicht die Mannschaften, die um die Meisterschaften ringen, wer kennt nicht die Namen der Spieler, die in der Nationalmannschaft oder in den Spitzenvereinen spielen - aber wer denkt dabei schon daran, dass diese Popularität des Fußballsportes nur durch die Vielzahl der kleinen Vereine entstehen konnte. Durch deren Hunderttausende aktive Spie-ler, deren Namen weder die großen Tageszeitungen noch Rundfunk oder Fernsehen nennen, die aber ebenso - oder vielleicht durch ihren Idealismus noch mehr - ihrem Verein und damit der großen Sportsache des Fußballes dienen.

Unser FC 1910 Mammolshain ist auch einer der ungezählten "Kleinen". Hier soll seine Geschichte erzählt werden, damit seine Freunde zum 90jährigen Jubiläum an den langen Weg seiner Vereinsgeschichte erinnert werden, und seine jungen Spieler sollen wissen, dass ihre Väter und Großväter genau wie sie selbst dem Lederball verschworen waren, wenn auch unter anderen Voraussetzungen.

Vom Mutterland England schwappte der Fußball aufs Festland. 1878 wurde in Hannover der erste deutsche Fußballverein gegründet. Pionier in unserer näheren Umgebung war Hanau mit seinem FC 1893.

In dieser ersten Pionierzeit war in Hessen noch kein Fußball aufzutreiben, den konnte man damals nur in Berlin bekommen. Es gab weder eine Regel, wie viel Spieler eine Mannschaft bildeten, noch war eine genaue Spielzeit festgesetzt. So gab es Mannschaften, die mit 12, andere wieder, die mit 15 Spielern antraten. Mit der Spielzeit war es ebenso, man spielte zwei Stunden und noch länger, vielleicht bis zu einem Entscheidungstor. Das änderte sich natürlich mit den Jahren, als 1900 der Deutsche Fußballbund gegründet wurde und bindende Spielsatzungen herausgab. Das Spielen mit dem Fußball war für die Bevölkerung vollkommen unseriös, die kurzen bis knapp über die Knie gehenden Hosen wirkten anstößig. der Bazillus "Fußball" ließ sich aber nicht aufhalten, überall gründeten junge begeisterte Menschen Fußballvereine. War es um die Jahrhundertwende die große Nach-barstadt Frankfurt, in der diese Vereine gegründet wurden, so war um das Jahr 1910 die Zeit, wo im Vordertaunus die ersten Fußballvereine ihre Geburtsstunden hatten, so wie bei uns in Mammolshain, so auch in Kronberg, Königstein, Bad Soden, Neuenhain u.a.
Und so war nun auch in Mammolshain der ersehnte Fußball da, jetzt musste man auch einen Verein haben und der wurde am 1.August 1910 im Gasthaus "Adler" gegründet.

16 Burschen waren es, Josef Fuchs I, Peter Fuchs, Heinrich Geis, Philipp Graf, Jakob Grölz, Jean Grölz, Johann Grölz, Jean Josbächer, Georg Pfaff, Johann Pfaff, Nikolaus Pfaff, Philipp Pfeifer, Karl Post, Jean Strabel, Anton Velte und Willi Velte. Spieler und Vorstand waren eins, das war damals eine Selbstverständlichkeit. Der erste Vorstand des Vereins amtierte mit Jakob Grölz als 1. Vorsitzenden, Jean Josbächer als Schriftführer, Georg Pfaff als Kassierer und Josef Fuchs als Zeugwart.

Die Richtlinien wurden festgelegt, als Monatsbeitrag stolze 30 Pfennig festgesetzt und ein Vereinstrikot in den Farben rot-weiß bestellt. Sorgen machte allerdings ein brauchbarer Sportplatz, aber so tragisch nahm man das damals noch nicht. Die Sportplatzeinrichtungen der damaligen Zeit waren transportabel. Für die Tore wurden je zwei Latten in den Boden gesteckt, die Querlatte wurde darüber gebunden, mehr brauchte man nicht zum Spiel. Das hatte auch seine Vorteile: wurde man verjagt - und das soll oft vorgekommen sein - so schulterten die Spieler die Sportplatzeinrichtung und zogen damit auf die nächste Wiese.

Das Spiel wurde auf der "Gänswiese ausgetragen. Der Gegner war Helvetia Bockenheim. Über das Ergebnis schweigen sich die Spieler von damals aus - man hat es wohl vergessen! Seinen Platz in der Dorfgemeinschaft konnte sich der neue Verein trotzdem schnell erringen. War auch die anfängliche Einstellung der älteren Dorf-bewohner zu diesem "verrückten Fußballspielen" vollkommen negativ, so begann man doch bald mit dem neuen Sport die Jugend zu begeistern. Außer Fußball wurde auch Leichtathletik und Turnen betrieben und es wird von Vereinsversammlungen im "Adler" berichtet, an denen über fünfzig Personen teilnahmen. Mammolshain zählte zu dieser Zeit ca. 450 Einwohner!

1911 wurde schon das erste Sportfest veranstaltet, als Sportplatz stellte der Landwirt Peter Grölz seinen Hardtgrund-Acker zur Ver-fügung. Annähernd 20 Vereine nahmen an den beliebten Tunier-spielen teil, die von morgens 6 Uhr bis abends 20 Uhr dauerten. Turnen, leichtathletische Wettkämpfe und ein Fußballweitstoßen rundeten das gelungene Fest ab, das am Abend mit einem Schweineschlacht-fest im Vereinslokal "Adler" endete.

Mit den Nachbarbetrieben wie z.B Kronberg, Königstein und Neuen-hain hatte man herzliche Kontakte zumal, zu dieser Zeit noch nicht um Punkte gekämpft wurde. Mit Pferden und Leiterwagen besuchte man die Nachbarvereine und die Heimreise ließ oft genug auf sich warten. Bei einem der Ausflüge, dass mit 6:0 in Fischbach gewonnen wurde, soll bei der späten Heimfahrt sogar ein Spieler verloren gegangen sein, ohne dass die restliche Truppe dies bemerkte. Allerdings wird auch berichtet, dass auch dieser Spieler - zwar verspätet - Mammolshain erreicht hat.
Das Fußballfieber hatte sich mittlerweile überall in Deutschland ausgebreitet. 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm beteiligte sich erstmals eine deutsche Fußballmannschaft an einem internationalen Wettbewerb. Von den in drei Spielen eingesetzten Spielern waren neun Karlsruher, vier Berliner, je drei Leipziger und Kieler. Dabei gab es zwei Rekorde: Deutschland besiegte Russland, eine unerfahrene Studentenauswahl aus Leningrad, mit 16:0 und Gottfried Fuchs vom KFV schoss zehn Tore. Das gab es nie wieder.

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